Er schreit hinaus, was niemand zu sagen wagt.
Seine Stimme ist es, die sich erhebt, seine Stimme, und niemand erbebt. Er sieht der Königin unter den Rock. Sie kichert und läßt zu, genießt die Berührung des Unberührbaren. Sie erlaubt, was unerlaubt ist. Der König jedoch, seinem Blick entgeht nichts. Doch es ist nur der Narr, der dies tut. Somit – keine Gefahr.
Doch der Narr hüpft um den Thron herum, entwendet dem Haupt des Königs die Krone mit raschem Griff. Er dreht sie um seinen Narrenstab und singt. „Schwindel ist ihm, dem schwindligen Reif…“ und alle lachen.
Der König, er klatscht vor Begeisterung als der Narr mit dem Reichsapfel jongliert. Und er läßt ihn fallen, als der Narr ihm diesen kostbaren Ball zuwirft, schafft es nicht, zu fangen, was zu scharf geschossen war. Verbeult ist die goldene Kugel, doch es macht nichts, denn es war doch nur der Narr.
Und der Narr singt zotige Lieder auf die Königin, von dem Treiben der Ritter, die ihr huldigen. Sie errötet und kichert neuerlich, versteckt das Gesicht hinter dem Fächer. Denn nur der Narr und sie wissen, wer ihr beigeschlafen hat, als der König nicht im Schlosse war.
Gleich darauf schlägt der Narr ein Rad und noch im Fluge holt er sich des Königs Zepter. Er wirbelt es durch die Luft wie ein Tamburmajor, schlägt den Ministern damit auf den Kopf und schreit hinaus, dass dies der Knochen ist, der dem Volke zum Abnagen geblieben ist. Die Minister johlen und schlagen sich auf die Knie vor Lachen. Der König- er tut es ihnen gleich. Und wieder die Königin, die hinter dem Fächer lacht, bis ihr die Tränen kommen, doch sie weiß nicht wieso.
Doch der Narr treibt es immer bunter. Des Königs Purpurmantel wird zu Schwingen, die den Eingekerkerten aus dem Verließ davontragen sollen, doch dann ist er sogleich die Blutlache, die aus dessen abgeschlagenen Kopf sich ergießt. Laut kreischt der Narr, weil so viel Blut aus so viel Köpfen den Burghof stinkend macht. Mit der Stimme des Königs schimpft er und die Höflinge kreischen vor Vergnügen, denn so trefflich ist der Narr in seinen Künsten.
Doch dann bleibt der Narr stehen, ganz ruhig. Sieht sich um, bis das Lachen verebbt ist. Groß ist die Erwartung der Zuschauer, denn sie erhoffen sich den Höhepunkt der Kapriolen. Und da, man sieht wie der Narr Atem holt, als ob er zu dem größten aller Kunststücke ansetzen will. Gleich wird er es tun, gleich wird er den dreifachen Salto über die Hofdamen und die Lakaien machen. Da!
Doch der Narr spricht in die Stille: „König, ich will nicht länger Euer Narr sein, sonst bin ich der meinige. Wenn ich Euer Narr bleibe, so halte ich mich selbst zum Narren. Und mein Gewissen verträgt keine Narreteien mehr!“
Da erhebt sich der König und schreit laut: „Ergreift den Narren. Richtet ihn hin, denn er hat mich angelogen! Und der Narr darf nie lügen!“