
Der Barkeeper nahm meinen Geldschein mit einem Grinsen entgegen. „ „Ich habe Frauen alleine kommen gesehen, aber nie alleine gehen sehen. Ich verstehe nicht ganz, warum Sie hierher gekommen sind.“ Das hatte er schon vor drei Stunden und drei Cocktails gefragt, und ich blieb ihm wie mir selbst die Antwort schuldig.
Ich trank den Rest meines Cuba Libre aus und schaute mich dabei wie beiläufig noch mal im Lokal um. Er sah zu mir, über die Köpfe der anderen Menschen an der Bar, über die Schulter des Typen, seines Freundes, mit dem er kurz nach mir in die Bar gekommen war, hinweg. Wenn ich nicht gerade zu ihm sah. Aber das konnte ich nur vermuten, denn immer, wenn ich mich, so zufällig wie möglich, so unauffällig wie möglich, zu ihm wandte, war sein Blick auf mich gerichtet. Trotzdem hatte er keine Anstalten gemacht, zu mir zu kommen und ich hatte es unterlassen, ihm ein Zeichen zu geben. So blieb es bei den Blicken, mit denen er mich abtastete, bei meinem Eindruck von ihm, bei den orangefarbene Sneakers, die mir aufgefallen waren, als er sich auf den Barhocker setzte.
Das hatte aber andere Männer nicht gehindert, sich mit mir auf ein kurzes Gespräch einzulassen, mir ihre Einladung auf eine Trink aufzudrängen, oder mehr. Ich genoss dieses Interesse.
Aber ich wollte nicht, wehrte ab, gab aber keinen Grund dafür an. Plauderte ein wenig, ließ mich wirken, bemerkte die Wirkung und fühle meine Reaktion darauf. Auch diese genoss ich.
Anfangs hatte ich gehofft, dass mein Mantel über die Stuhllehne neben mir, als ob ich den Sitz für einen noch erwarteten Gast, einen Mann, möglicher Weise meinen Mann freihalten könnte. Aber bald schienen die mich beobachteten Männer den Trick durchschaut zu haben. Und als ich auf Anfrage einer jungen Frau den Sitz freigab, war es offensichtlich, dass ich alleine hierher gekommen war.
Und jetzt rutschte ich vom Barhocker, nahm meinen Mantel von der Lehne, übersah nicht unbeabsichtigt das Angebot eines letzten, vergeblichen Anwärters auf meine Begleitung, mir in den Mantel zu helfen. Ich zog mich langsam an, ließ den Mantel offen, legte den Schal lose um die Schultern, kreuzte den Riemen meiner Tasche darüber, strich mir nochmals den kurzen, weichen Rock glatt.
Ich wusste, dass mich die Männer beobachteten und betonte daher jede Bewegung. Als ich mich durch die Menschen Richtung Ausgang schlängelte, und dabei mein offener Mantel zurückgeschoben wurde, fühlte ich kurz eine Hand an meinem Po, ein fester Griff. Ich sah mich nicht um.
Aus dem Lokal tretend, spülte die Welle aus Menschenwärme, alkohol- und rauchangereichertem Menschengeruch und einer Emulsion aus Musik und Stimmen noch einige Momente mit dem Zuschwingen der Lokaltüre um mich, während ich die Nacht mich empfangen liess.
Es hatte geregnet, feiner Nebel hing in der feuchtigkeitsgeschwängerten, für die Jahreszeit viel zu warmen Abendluft.
Vor mir lag der leere, übergrosse Platz, auf dem nur zwei Denkmäler, beide derb, beide übergross, aussagelos, nur durch die Metabedeutung in ihrer Existenz gerechtfertigt, sich breit machten. Gewölbte halbblinde Spiegel tarnten sich als regennasses Kopfsteinpflaster, hie und da das Licht der Strassenlampen matt reflektierend.
Mein Mantel blieb offen, meine Handschuhe ungetragen, zu warm war der Abend, zu heiss war es in mir, cocktailumflossenes Glühen, durch laue Luft nicht zu besänftigen
Die Nacht war noch nicht so weit vorangeschritten, den Platz, die anschließenden Strassen leer zu räumen, immer wieder und doch angenehm selten um Leere zu vorzutäuschen, querten Menschen das Kopfsteinpflaster, selten eilend, aber doch nicht flanierend. Um diese Uhrzeit ging man immer irgendwohin, zur U-Bahn, nach Hause, zum geparkten Wagen, zum Lokal, zum nächsten Lokal.
Auch ich musste nicht eilen, ließ aber auch kein Schlendern zu.
Die Absätze meiner hohen Stiefel schlugen dumpfe Stakkati auf den Pflastersteinen. Irgendwoher war das überdrehte Lachen mehrer Frauen zu hören.
Ich querte den Platz. Die Fenster der biedermeierlichen Bürgerhäuser blickten lichtlos auf die beiden Denkmäler. Hier wohnte niemand, der um diese Zeit Licht in den alten Räumen benötigte.
Ich war schon oft um diese Nachtzeit in der Stadt unterwegs gewesen, nie hatte ich mich geängstigt, nie hatte ich Unangenehmes erfahren. Nie hatte ich gefühlt, dass mir jemand folgte.
Nun fühlte ich es, angstlos, aber ich fühlte es.
Ich spüre es, wenn mich, in der Strassenbahn, in der Menschenschlange vor der Supermarktkasse, im Park, jemand beobachtet, auch wenn ich diesem den Rücken zuwende. Dann drehe ich mich rasch um, schneller noch, als derjenige den Blick senken, das Gesicht wegdrehen kann. Dann lächle ich mit einer gewissen Genugtuung.
Jetzt fühlte ich es auch, jemanden hinter mir, jemandes Augen an mir.
Noch war es belanglos, noch war es jemand, der zufällig hinter mir ging, nicht mir folgend, nur den gleichen Weg nehmend, anschauend, wen er vor sich sah.
Ich schaute mich nicht um.
Hier war die Stadt alt, Gotik und Biedermeier drängten aus schmalen Hausfassaden, den niedrigen Türen, den schmucklosen Fensterstöcken. Ich verliess den Platz durch den dachlosen Tunnel einer engen, ein Fuhrwerk breiten Gasse, folgte deren Biegung. Nicht einen Schritt hörte ich hinter mir, aber ich wusste, dass er folgte. Und als ich kurz stehen blieb, mir den elastischen Schaft eines meiner Stiefel hochziehend, vornüber gebeugt, den Rücken wölbend, das Gesäss nach oben streckend, hörte ich ein Atmen in der vermeintlichen Menschenleere hinter mir. Ich stellte mir vor, dass er Sneakers von kräftiger Farbe trug, Jeans dazu. Wollte ich, dass er nicht zufällig hinter mir ging?
Ich ging weiter, in der Mitte der Gasse, wie ich es als Mädchen gelernt hatte: “Meide die Torbögen, meide die Hauseinfahrten, aber auch die parkenden Autos.“ Wobei hier keine parkten, dieser Teil der Altstadt war Fussgängerzone.
Ich versuchte, leiser aufzutreten, damit ich ihn hinter mir hören konnte. War dieses Gefühl in mir Angst? Hatte ich einen Grund, Angst zu haben? Ich ging schneller, leiser, hörte vermutlich wieder sein Atmen.
Vor einem Lokal lag ein Kegel gelblichen Lichts auf der dem Pflaster. Gerade als ich das Licht über meine Füsse floss, öffnete sich die Türe der Bar, zwei Männer und eine Frau traten heraus, und ich erschrak. Plaudernd gingen sie an mir vorbei, die Männer beachteten mich nicht, aber die Frau sah mich kurz an, sie war schön. Ich roch Indisches, als sie an mir vorbei gingen, den Weg entlang, den ich gerade gekommen war.
Ich stellte mir vor, dass sie jetzt an dem vorbei gingen, den ich spürte. Klangen ihre Schritte nicht gerade so, als ob sie ihm auswichen. Schaute die Frau ihn an, wie sie mich angesehen hatte? Würde er ihr nachschauen, wie ich es nicht getan hatte.
Warum hatte ich mich nicht umgesehen? Weil ich mich sonst verraten hätte?
Als die Stimmen der drei verklangen, beschleunigte ich wieder meine Schritte.
Nach der Biegung der Gasse versperrte eine Baustelle den Weg, den ich zu gehen geplant hatte. Das Hinweisschild für die Umleitung verwies mich in die entgegen gesetzte Richtung.
Ich überlegte kurz, die Umleitung durch das Gassengewirr führte weg von der U-Bahnstation, die ich normalerweise für den Heimweg nutzte. Natürlich könnte ich umkehren, aber dann würde ich begegnen, wen ich hinter mir vermutete. Und er war noch da, dessen war ich mir sicher. Ein wenig Unsicherheit und damit Ärger kam in mir hoch. Ich befand mich in einer Situation, die ich nicht kannte, die ich aber selbst erwirkt hatte. Doch nun schien ich nicht mehr gänzlich die zu sein, der die Entscheidungen oblagen, denn mir war die Freiheit der Wahl durch jemanden genommen worden, den ich nicht sah, der mich durch seine mutmassliche Anwesenheit aber unter Druck setzte. Was würde weiter geschehen?
Ich folgte dem Umleitungsschild, querte einen kleinen Platz an der Seite einer Kirche. An der Wand eines Verschlages lehnten zwei Jugendliche, die sich leise unterhielten. Ich hätte zu ihnen gehen können, unter einem Vorwand, solange, bis die Unsicherheit mit dem, der mir folgte verschwunden war. Ich tat es nicht. Eine weitere kleine Gasse und ich begann zu frieren, verschränkte im Gehen die Arme vor der Brust, machte mich kompakt, geschützter auf die Art.
Hinter mir vernahm ich ein klatschendes Geräusch, ein Tritt in eine Wasserlache. Aber ehe ich mir noch sicher sein konnte, ob ich richtig gehört hatte, ertönte in der Ferne eine Autoalarmanlage, daraufhin das Geschrei eines Betrunkenen, bis plötzlich wieder Stille eintrat und in die Stille hinein hörte ich seine Schritte auf den Resten des winterlichen Streusplitts knirschen.
Ich wollte mich umdrehen, mich ihm stellen, ihm ins Gesicht sehen, ihn stellen.
Ich wollte zeigen, dass ich dieses Spiel nicht mitspielen mochte. Statt dessen blieb ich stehen, hörte, wie er stehen blieb, tat nichts, regungslos, löste dann die verschränkten Arme, fuhr mir mit den Händen durchs Haar, spürend, dass er mich beobachtet, von irgendwo hinter mir, während mein Atem schneller ging. Einen Moment lang war ich versucht, mich neuerlich hinab zu beugen, um die Stiefel zu richten, aber ich hielt mich zurück, sondern ging weiter, merkte dass ich mich beeilte, und verlangsamte die Schritte wieder, damit mein Verfolger meine Unsicherheit nicht bemerkte. Sofort war da wieder der Ärger, des Teils in mir, der sich dagegen wehrte, fremdbestimmt zu sein, der Unterwerfung nicht ertrug.
Ich bog in eine andere Gasse ein, sah vor mir, vielleicht in hundert Metern Entfernung sie in eine hell beleuchtete Geschäftstrasse münden, sah Passanten darauf den Schatten der Gasse, in der ich ging, kreuzen.
Ich ging unter einem Baugerüst durch, das die Sanierung einer Fassade eines der alten Häuser sicherte. Die schon spärliche Beleuchtung des schmalen Durchgangs wurde von Dunkelheit abgelöst. Es roch nach feuchtem Mauerwerk und nach Terpentin.
In diesem Moment zog etwas an dem Ärmel meines Mantels und ich erschrak so sehr, dass mein Herz pochte wie das eines geängstigten Tieres. Dann merkte ich, dass sich der Stoff meines Mantelärmels in einem Befestigungshaken des Gerüstes verhängt hatte. Ärgerlich zupfte ich an dem Wollstoff herum, bis ich mich wieder befreit hatte.
Genau diesen Augenblick meiner Unaufmerksamkeit nutzte er.
Er packte meinen linken Arm und den eben befreiten rechten und zerrte mich zurück in die Dunkelheit unter dem Gerüst. Ich schnappte nach Luft, denn vor Schreck fehlte mir die Kraft zu schreien, so plötzlich war er da gewesen. Von hinten drängte er mich auf den Eingang des renovierten Hauses zu, stieß mit einem Fusstritt das angelehnte Tor auf und für einen Moment waren das Quietschen der alten, feuchten Angel und mein Keuchen das einzige, das ich in der Dunkelheit wahrnahm.
Einen Augenblick später waren wir im Hauseingang und er drückte mich mit meiner Vorderseite gegen die Wand hinter dem Tor, zog es zu und fixierte mich mit den Armen und mit der Kraft seines Körpers, sodass ich zwischen der feuchten Mauer und seiner Brust kaum atmen konnte. Ich versuchte mich zu wehren, wollte mich von der Wand wegpressen, ihn mit Tritten zu Fall bringen. Kurz schien mir das auch zu gelingen, er ließ nach, aber nur, um mit einer Hand meine Handgelenke zu umfassen und mir die Arme über den Kopf zu ziehen, wo er sie ans Mauerwerk gedrückt festhielt. Ich gab nicht auf, stieß mein Becken nach hinten, wollte ihn wegschieben von mir, aber das schien ihn nur noch mehr anzutreiben und er verstärkte den Druck auf meinen Körper. Mit der freien Hand packte er meine Haare und zog meinen Kopf nach hinten. In diesem Moment fuhr eine Vespa draussen vorbei, wohl jemand, der sich nicht um das Fahrverbot in den engen Altstadtgassen scherte, und das Scheinwerferlicht fiel durch den Spalt des angelehnten Tores. Ich sah sein Gesicht, sah es anders als in der Bar, sah die Erregung und die Gier darin, die Lust in den großen Augen. Ich starrte ihn an, obwohl längst wieder Dunkelheit alles in schwarze Flecken aufgelöst hatte. Aber ich spürte sein Gesicht nahe, ganz nahe, die Feuchte seines heftigen heissen Atmens, die über meine schreckenskalte Haut strich. Ich fühlte den Ausdruck der Erregung, der männlichen Gier, den ich zuvor gesehen hatte, und wusste, dass jede Abwehr meinerseits eine halbherzige sein würde, und dass er das auch wusste. Trotzdem wollte ich mich losreissen, wollte mich nicht ergeben, wollte nicht kampflos die Niederlage über mich ergehen lassen. Meine Hände rissen an seinem Griff, der nur noch fester wurde, ich stieß mit dem Becken nach hinten, doch er wich geschickt aus, packte meine Haare noch fester und drehte meinen Kopf zur Seite, sodass mein Hals frei lag. Derart dargeboten biss er in die Haut meines Nacken und noch mal in die zarte Haut unter meinem Ohr. Ich schauderte wie eine Wölfin, die bestiegen, durch den Biss des Wolfes in ihrer Wut gegen ihren Willen gefügig wird. Wieder biss er zu und ein Keuchen entfuhr meiner Kehle. Ich spürte wie mir die Knie nachgaben und einen Moment lang schien es mir, als hinge ich nur mehr in der eisernen Umklammerung seiner Hand an meinen Gelenken, wie ein Gefolterter, der ohne Bodenkontakt an einem Ring an der Wand hängt, bereit für die Tortur.
Er, der mich hielt, schien dies als Zeichen meines Aufgebens zu sehen, denn er ließ meine Haare los. Den Augenblick nutzte ich um neuerlich nach hinten zu treten, wobei ich ihn halbherzig, aber des Stiefelabsatzes wegen trotzdem schmerzhaft, am Bein traf. Er gab einen kehligen Laut von sich, mehr zornig als schmerzerfüllt, und schob mit einer einzigen kraftvollen Bewegung meine Beine auseinander, sodass sie leicht gespreizt waren. Gemeinsam mit der Haltung der Arme über meinem Kopf und dem Druck seines Körpers an dem meinen, war es mir nun so gut wie unmöglich, mich zu wehren ohne das Gleichgewicht zu verlieren oder ihm noch mehr ausgeliefert zu sein. Ich wollte schreien, tat es aber nicht, denn schon biss er mich neuerlich und mich überkam wieder eine Woge heissen Schauers.
Mit der freien Hand begann er nun, meinen Mantel zur Seite zu schieben und presste seine Hüften gegen meinen nur noch durch den Rock bedeckten Hintern, denn ich trug nur Slip und Strümpfe darunter. Während er ruckartig das Becken bewegte, fand seine Hand unter das Shirt und presste meine linke Brust auf schmerzhafte Weise. Ich stöhnte kurz auf, vor Schmerz und vor mehr. Doch auf das schien er nur gewartet zu haben, denn er verstärkte das Kneten meiner Brüste noch. Ich zuckte unwillkürlich, zuerst einmal, dann mehrmals, bis er abließ und mir mit einer raschen Bewegung den Rock hochschob. Ich wollte mich wehren, aber da waren wieder seine Bisse und ich war nicht mehr im Stande mehr zu tun, als stöhnend zu atmen.
Jetzt packte er meine Pobacken, fuhr mit der Kante seiner Hand die Spalte dazwischen entlang, dem Steg des Slips folgend hinauf, zog das Höschen hoch, sodass der Stoff zwischen meinen Pobacken spannte, mich einschnitt, bis tief hinunter. Ich fühlte, wie sich der Stoff, so, nun tief in mein Fleisch gezogen, an mir nässte. Seine Hand fuhr nun hinunter, der engen Spitze nach in die Feuchtigkeit, betastete grob mit den Fingern den Zustand, um mich dann,derart entblösst, kurz mit seinem Becken freizugeben.
Einen Augenblick später fühlte ich etwas Heisses, Hartes an den Pobacken und dann nahm er mich so, den den Slips nur zur Seite gezogen, stehend, von hinten.
Ich gab einen wimmernden spitzen Schrei von mir, als ich ihn mit einem einzigen, heftigen Stoss in mich eindringen spürte. Beim zweiten Stoss, der noch tiefer ging, lief ein Schaudern durch meinen Körper. Schmerz, Lust, das Gefühl unterworfen worden zu sein, flossen ineinander und ich keuchte mit jedem Atem, mit jedem Stoss nach mehr.
Er stieß kräftig zu und mit jeder Bewegung rieb der Stoff meines Slips an meinem Fleisch, an der empflindlichsten Stelle, bis sie schmerzhaft angeschwollen war. Gleichzeitig war seine Hand überall, packte meine Brüste, meine Pobacken, legte meinen Nacken für weitere Bisse frei, glitt von vorne in den gespannten Slip hinein, um den Druck noch zu vergrössern. Sein Kopf rieb an dem meinen. Ich sog seinen heftig ausstossenen Atem in mich, roch ihn warm und erregt. Nie werde ich den Geruch vergessen. Ich werde ihn immer erkennen. Jetzt ging sein Atem rascher, verfing sich in meinem Ohr, meinem bisspeichelnassen Nacken, meinem Haar, das von seinen Fingern zerwühlt war. Ich spürte, wie sich die Hitze in mir mit der Feuchtigkeit vermengte, wie alles an mir anschwoll, atmete keuchend, spürte wie sein Atem lauter wurde, konnte nicht anders, als mein Becken ihm entgegen zu drängen, zuckend, dann bebend, heiss, feucht. Ich schrie leise, denn seine Hand verschloss meinen Mund, während er sein kehliges, knurrendes Stöhnen in mein Ohr ergoss und er sich in mich.
Wahrscheinlich war es keine Minute bis sich unser Atem beruhigte, so verharrte ich und er an mir. Meine Hände hatte er losgelassen und meine Arme waren ein Polster gegen die Wand, meinen Kopf darauf gebettet, den seinen an meinen gelehnt.
Sekunden, wahrscheinlich, später, eine Ahnung der Berührung meiner Wange durch seine Finger, seinen Mund? – Ich wusste es nicht, dann löste er sich von mir, machte zwei drei, rasche Bewegungen und schlüpfte durch die Türe nach draussen in die Gasse – noch ehe ich im Stande war, mich zu ihm umzuwenden.
Ich blieb an der Mauer lehnen, minutenlang, gab ihm einen Vorsprung. Dann fühlte ich die Nässe an meinen Beinen hinunter rinnen und in den Strümpfen versickern und plötzlich war es kühl und Müdigkeit überschwemmte mich.
Den feuchten Slip zupfte ich zurecht und strich den Rock glatt, wie schon einmal an diesem Abend. Dann schloss ich den Mantel, gürtete ihn, zog den Schal enger um mich und schlüpfte in die Handschuhe.
Die Gasse war leer wie zuvor, als ich sie wieder betrat, und niemandes Atem war hinter mir zu vernehmen.
Schaudernd vor Kälte eilte ich auf die hell erleuchtete Strasse zu, die ich zuvor schon hatte erreichen wollen. Keine zehn Minuten später sass ich in der U-Bahn, lehnte meine Stirn gegen die kalte Glasscheibe des Fensters, starrte in die Schemen der vorbeiziehenden Wand des U-Bahntunnels und versuchte das Zittern meiner Beine und die nach Schlaf gierende Erschöpfung meines Körpers zu unterdrücken. Der Weg von der Station bis nach Hause kam mir wie eine Ewigkeit vor und als ich die Wohnungstüre aufzuschliessen versuchte, brauchte ich beide Hände um den Schlüssel ins Schloss zu stecken.
Erst als ich beim Türöffnen im Licht des Stiegenhauses die orangefarbene Sneakers vor der Garderobe stehen sah, beruhigte ich mich. Die Wohnung war still, dunkel. Ich brauchte kein Licht um mich zu entkleiden, warf den Mantel, den Schal über einen Haken, liess meine Handtasche auf den Boden fallen. Rock, Strümpfe, Unterwäsche bildeten ein achtlos hingeschmissenes Bündel neben den Stiefeln. Lautlos ging ich ins Schlafzimmer, wo mein Mann schon schlief. Ohne ein Geräusch schlüpfte ich zu ihm unter die Decke, die Wärme seines Körpers umfing mich. Mit einem leisen Grunzen drehte er sich zu mir, schmiegte sich in gewohnter – geliebter – Weise an mich, Brust an Rücken, Bauch an meinen Hintern, meine nackten Brüste mit den kräftigen Händen umfangend. Sein warmer Atem strich in mein Haar, über mein Ohr, meine Wange. Sein Geruch umfing mich, ich werde ihn immer erkennen.